ALPZEIT
Schwarznasenschafe und die Liebe zum Tier

Während und durch den Älplerinnenalltag mit den Schwarznasenschafen am Gornergrat entstehen im Sommer 2021 auf fast 3000müM Zeichnungen und Bilder, welche von diesen besonderen und wunderschönen Tieren inspiriert sind, wie auch von der unbeschreiblichen Kulisse von den höchsten Gipfeln rundherum übers Matterhorn zu den Gletschern wie auch den vielen Bergseen und Blumenwiesen im Gebiet. Die Werke sind einerseits Zeichnungen und Aquarelle aber auch Bilder aus den bergeigenen Pigmenten des Gornergrates, welche ich selber zu Farbe verarbeite. 

Die Werke werden ab Juli 2022 in der Sala Segantini in Savognin, GR ausgestellt.

 

Der Alpsommer als Schafhirtin bringt mehr denn je in diesem Jahr nebst der absoluten Idylle auch Ängste und Sorgen mit sich. Nie zuvor seit der Wiederansiedlung vom Wolf wurden so viele Alptiere gerissen und dies trotz all den Schutzmassnahmen, die an sich schon genug fragwürdig sind in der Umsetzung.

Und trotz den vielen Meldungen werden längst nicht alle Nutztierrisse durch Wölfe verzeichnet, was bedeutet, dass die Landwirte dafür möglicherweise niemals vergütet werden – für ein Flachbildschirmidealisiertes Konzept, welches fernab von der sinngebenden Realität liegt.

Denn haben die Wölfe sowieso viel zu wenig Platz in der Schweiz, so können sie ihr naturgemässes Verhalten gar nicht ausleben – die prekären Verhältnisse führen zu desaströsen Wildereien, Massakern auf den Alpen, welche die Hirten täglich aufräumen müssen, tödlich verletzte Tiere töten müssen, Kadaver dokumentieren und bürokratisch abwickeln, anstatt sich um das Wohl der Herde kümmern zu können.

Was uns bleibt: Schlaflose Nächte in Sorgen um die geliebte eigene Herde, um das Ziel, unsere grosse Verantwortung täglich zu erfüllen. Der ganze persönliche Idealismus von uns Hirten wird verzerrt in Fragwürdigkeit des Berufes, der mit täglichem Schlachtfeldaufräumen nichts zu tun hat.

Und von den Landwirten spreche ich hier noch nicht einmal, die hilflos mitansehen dürfen, wie sie Tier um Tier verlieren oder in der Angst um die Möglichkeit eines Wolfsangriffes schon im Vorfeld die Haltung von Alpveh in Frage stellen.

Jedes Tier ist eine Existenz. Jedes Tier ist ein Lebewesen.

 

Es geht nicht darum, Leben mit Leben und Existenz mit Existenz aufzuwerten.

Aber es geht darum, dass jedes getötete Alptier seinen Respekt und seine Würde verdient hat, auch wenn das für uns Menschen manchmal unvorstellbar ist – aber beim Wolf scheint es die Flachbildschirmgesellschaft sehr weit zu treiben mit dem grossen Schutzgedanken – die Gesellschaft die Wochenends auf der Couch sitzt, am Ende des Monats den Fixlohn überwiesen kriegt und denkt, es sei Zeit, sich für Tierschutz und Artenvielfalt einzusetzen, und dabei genmanipulierte Chips aus Übersee in sich stopft. Oder von mir aus vegane, das ist ja grad voll trendy.

Menschen! Die Alpen sind nicht ein Traum, sie sind eine bitterharte Realität! Täglich 7 Tage die Woche, jedem Wetter ausgesetzt, kümmern wir Hirten uns um das Wohl einer Herde und lieben unsere Tiere. Ansonsten würden wir nicht unsere Knie & Füsse und manchmal gar unser Leben für einen meist lächerlichen Lohn aufs Spiel setzen. Und wenn wir dann alle gegangen sind mit dem Alpveh, wenn wir keine Massaker aufräumen und Kadaver mehr zusammensammeln wollen, dann rutschen die Lawinen in die Täler und die Artenvielfalt bei den Pflanzen geht zurück – und der Wolf wird sich selbst wieder aussterben, weil ein Ökosystem kippt, nachdem jenste Existenzen gekippt sind.

Kann das unser Ziel sein?

 

Und was hat das nun alles mit den Werken aus dem Zermatter Alpsommer am Gornergrat zu tun? Als Hirtin bin ich die Hüterin einer Herde und als Künstlerin bin ich eine Botschafterin. Meine Bilder zeigen den Ausdruck meiner Haltung, meiner Wahrnehmung, mein Erlebnis hier in diesen fantastischen Bergen mit meinen geliebten Schwarznasenschafen. Jedes Tier ist mir innig verbunden, viele kommen auf mich zu und suchen meine Nähe, ich kann meine Hände und mein Gesicht in ihrer Wolle versinken lassen, ihre geschwungenen Spiralhörner sind für mich mehr als ein ästhetisches Kunstwerk – sie sind Symbol und Kultur, sie sind die Bergen selbst.

In diesem ganzen Zusammenhang habe ich beschlossen, jedes Werk der Ausstellung in der Sala Segantini einem verstorbenen Alptier zu widmen, welches durch den Wolf getötet wurde. Die Widmung ist persönlich, das heisst mit Namen, Alter und ein Abschied an das Tier. Ein Abschied an seine Existenz und sein Leben unter uns. Und bei jedem verkauften Werk geht ein symbolischer Betrag an den Betrieb, dem das Tier zugehörte – ein symbolischer Betrag in Erinnerung daran, dass jedes Tier für die Landwirte Existenz bedeutet.

Ein Hinweis, dass es nicht recht ist, mit Existenzen und Leben zu spielen.

 

Hier können Landwirte mit mir Kontakt aufnehmen, um ihre verstorbenen Alptiere durch Wolfsriss zu melden.